Drei zufällig ausgewählte Gedichte aus dem Opus

Die Jagd

Verschlossen ist der Raum.
Die Jagd ist angekündigt.
Die Jäger lauern und wittern hinter jedem Baum.
Und jeder Hund ist seines Herrchens würdig.

Du lässt die ersten Türen für dich öffnen.
Nun hat die Jagd begonnen.
Du wirst die weit'ren Türen rammen müssen, immer öfter,
So hoffnungsvoll und so am Ende nichts gewonnen.

Und wenn du starke Beine hast,
So wirst du eine Weile lang deinen Verfolgern noch entfliehen.
In diesem Rennen hegen deine Jäger keine Hast.
Ein bisschen Zeit wird dir großzügig gern geliehen.

Erreichst du zwischendurch ein Zufluchtsort,
So wird man dich sofort von da verlangen.
Wo du zur Ruhe kommen könntest, ist kein fester Ort.
Wo auch immer du grade bist, bist du darin gefangen.

Und wenn du dieses Rennen aufgibst,
So hast du diese Jagdsaison verloren.
Du bleibst dein ganzes Leben in dem gleichen Raum stecken, bist du stirbst,
Und hast durch deine Lauferei lediglich die Nachbarschaft verworren.

Wenn du dein Zwischenziel dennoch erreichst,
So musst du gleich darauf weiter rennen.
Ein neues Ziel wird dir prompt überreicht.
Du willst doch deine Chancen nicht verpennen?

Ein Loch im Magen

Verschlingt man eines Tages eine Gabel,
So fürchtet man sich um den Magen.
Denn jede Gabel spendet ein bis zwei Paar Löcher.
Sie gehen manchmal richtig durch die Knochen.

Aus diesen Löchern fließen hinterher Mahlzeiten
So stetig und so konsequent wie die Gezeiten.
Und es ist peinlich und unangenehm,
Wenn die Mahlzeit durchsickert. Es ist einfach unbequem.

Am besten wäre es, das Loch zu stopfen.
Doch wie erkennt man, woraus es am Ende tröpfelt?
Die Löcher sehen alle gleich aus.
Der Magen ist an sich ein Löcherhaus.

Was machst du dann in solchen Fällen?
Was unternimmst du, um das Loch zu schmälen?
Für welches wirst du dich entscheiden?
Wie schonst du deine Eingeweide?

Es ist allein dir vorbehalten,
Das Leck aller Lecks aufzuhalten.
Du kannst dabei dein Leck, dein Loch, dein Ziel verfehlen.
Doch andersrum wirst du dich ganzen Tag ernähren.

Selbstmitleid

Die gnadenlose Sonne brennt im Herzen.
Ich stelle auf den Boden eine Kerze.
Und lasse mich auf jenen nieder,
Gedrückt vom inneren Gewitter.

Der Alltag wird sich meiner einvernehmen,
Wenn ich sofort selbst nichts dagegen unternehme.
Ich schlitze meinen Magen auf
Und mache meinen Körper auf.

Rasch reiße ich mein Herz hinaus
Es kommt mir vor wie eine kleine Maus.
Es schlägt in meinen Händen hilflos.
Es kämpft mit allen Kräften… und doch sinnlos.

Ich wollte mich von diesem Stückchen Fleisch entbinden,
Um auf diese Weise meine Ruhe doch zu finden.
Es betet um die Gnade, blutet, weint.
Ich stecke es, gerührt, zurück. Wir sind erneut vereint.